Es soll um Mut gehen, um Mut, den wir in unserer Gesellschaft wieder haben

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Wir können die erste Generation sein, der es gelingt, die Armut zu beseitigen, ebenso wie wir die letzte sein könnten, die die Chance hat, unseren Planeten zu retten.
— Agenda 2030, Punkt 50

Eigentlich wollte ich hier einen Text über Fridays for Future schreiben. Es sollte um Mut gehen, um Mut, den wir in unserer Gesellschaft wieder haben. Mut zu streiten um den Klimawandel. Die Hoffnung, endlich wieder Chancen ergreifen zu wollen und nicht gelähmt zu sein von einer Angst der Chancenlosigkeit.

Ich wollte sagen wie gut es ist, dass junge Menschen auf die Straße gehen, ob am Wochenende oder während der Schulzeit. Dass sie sich interessieren für politische Themen und ihre Zukunft.

All dies wollte ich schreiben. Doch eigentlich habe ich Angst. Die Angst davor, dass die Menschen aufgeben. Dass wir junge Menschen aufgeben. Dass sie nach dem ersten Anlauf nicht die Welt verändern werden, das ist klar. Doch was ist denn eigentlich, wenn niemand sie verändern will? Wenn Protest nicht zu Veränderung führt? Wenn die Politik uns das Gefühl gibt, uns hinzuhalten statt der Hoffnung, dass echte Veränderung funktioniert? Was machen solche Erfahrungen mit dem Ehrenamt? Welches Signal hinterlässt solch eine Handhabung mit Menschen, die sich im Ehrenamt engagieren? Ich mache mir große Sorgen und bin darüber sehr betrübt: Ich bin besorgt über den Umgang mit dem Ehrenamt, über den mangelnden Respekt vor dem Engagement ehrenamtlich Tätiger. Es geht mir um die über 20 Millionen Menschen in Deutschland, ohne die unser Staat und unsere Gesellschaft nicht so wunderbar agieren könnte. Ehrenamt ist gelebte Demokratie und muss gefördert werden.

Deshalb bin ich sehr dankbar. Ich finde es gut wie wir im DAV miteinander umgehen. Es ist schön zu sehen wie viel Trainer*innen, Jugendleiter*innen, Helfer*innen bei uns aktiv sind. Damit halten wir, was wir in unserer Gesellschaft wieder mehr brauchen: Menschen, die Orte zu etwas Besserem machen.

Im vergangenen halben Jahr haben sich einige Änderungen bei uns in der Jugend ergeben. Ich danke ganz herzlichst Eva Muthmann, die drei Jahre meine Stellvertreterin war. Du gehörst zu denen, die nicht nur über Veränderung und Engagement reden, sondern es auch leben. Ich fand es sehr schön, mit dir diese Jahre zusammen zu arbeiten. Wir haben gestritten, Pläne geschmiedet, Veranstaltungen organisiert, aber vor allem eine Sache gemacht: auf Augenhöhe kommuniziert. Vielen Dank dafür! Neu im Team begrüßen wir Mayank Sharma, der sich bereit erklärt hat, als Nachfolge von Eva Muthmann zu meinen Stellvertretern dazu zu stoßen.

Ich freu mich richtig auf das zweite Halbjahr 2019! Wie ihr in den Berichten lesen könnt, haben wir schon im ersten Halbjahr einige Ausfahrten gemacht: Südfrankreich, Fontainebleau, Kaunergrathütte, ... so soll es auch weitergehen. So sind wir wahrscheinlich genau jetzt in Grönland und in den Herbstferien fahren wir nach Arco und Sardinien.

Ich wünsche euch allen einen schönen Herbst und lasst uns die Generation sein, die die Chancen ergreift und sich nicht vom dogmatischen Alltag schlagen lässt!

Warum engagieren sich so wenig Menschen in Parteien? 

Dies ist einer der Gordischen Knoten unserer Zeit. Ich kenne nicht die Antwort. Ich versuche, einige Punkte aufzuzählen, die in den aktuellen Strukturen schwierig sind. Die Liste ist nicht vollständig und auch nicht ausführlich erläutert. Vor allem will die Aufzählung einfach sein und kein wissenschaftlicher Text. Wir haben genug Texte, die keiner versteht. 


Ehrlich sein heißt nicht ehrlich sein.

Wenn wir von Aufrichtigkeit reden müssen wir sie auch einhalten. Früher wurden Presseerklärungen für die Presse gemacht. Heute kommen diese Erklärungen bei allen an. Der Grat zwischen Antwortverweigerung und Lüge ist sehr schmal. Wir Menschen sind kompliziert und deshalb sollte Politik uns nicht wie Kleinkinder behandeln. Wir möchten Ehrlichkeit. Wir möchten wissen ob wir unterstützt werden oder nicht. Und nicht veralbert werden in dem man Floskelen als Antwort bekommt.

Tun heißt tun und nicht abwarten.

Wir machen Werkstattgespräche, wir Sitzen an runden Tischen und nehmen an Kneipentouren teil. Was wir eigentlich machen sollten, wären die Ergebnisse festhalten und umsetzen. Nichts ist frustrierender als sich zu beteiligen und zu wissen das Resultat wird untergehen. Das passiert viel zu oft. Unsere Lebenszeit ist so begrenzt, dass sie effizient genutzt werden muss. Niemand braucht Veranstaltungen, zum Klatschen und Klappe halten. Wir benötigen Orte an denen man mitdiskutiert und ernst genommen wird.

Es geht nicht um uns, sondern um euch.

Politik ist kein Selbstzweck. Jeder politisch engagierte Mensch möchte uns Bürgern helfen. Deshalb bringen Streitereien nichts und es braucht mehr inhaltliche Debatte. Mit aufrichtiger ehrlicher Kritik, ohne unter der Gürtellinie zu landen. Das schreckt ab, wie Diskurs in Parteien funktioniert. Ich möchte nicht in Machtkonstruktionen verflochten sein, sondern Menschen bewegen.

Ich möchte Politik machen, die ich kenne.

Wenn ich mich in einer Partei engagiere, dann ist es mir wichtig, dass ich auch mit sprechen kann. Ich möchte eher selten am Anfang genau entscheiden was in meinem Ortsteil passiert, sondern vielmehr dort wo ich politisiert wurde und das ist die Bundespolitik. Aber, Parteien arbeiten von unten nach oben. Das ist nicht gut. Da einige Menschen schnell frustriert werden wenn sie nicht das bewegen können, was sie wollen. Die Kommunalpolitik ist nicht die Grundschule der Demokratie, sondern die Elite. Denn jeder Kommunalpolitiker hat direkten Bürgerkontakt und muss sich nicht mit Pressestellen unterhalten. Deshalb: Bringt die Menschen den bundespolitischen Themen nahe, bevor sie sich mit der Parkbank von nebenan beschäftigen müssen.

Altersdiskriminierung funktioniert passiv.

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Hier ist ein Dilemma. Jede Partei ist bemüht junge Menschen aufzunehmen. Ob bei der CDU, den Grünen, oder der SPD jede Person unter 50 Jahre ist ein Geschenk. Aber, keiner möchte der Quoten Jugendliche sein. Das Problem, die Strukturen nehmen einen ernst, aber nicht die Menschen. Politik ist ein großes Spielfeld, bei dem niemand ein Experte ist. Lasst die jungen experimentieren und schiebt sie nicht ab in die Jugendorganisationen. Je mehr Durchmischung wir haben, desto mehr gute Ideen und hilfreiche Menschen bekommen wir zügig an der Spitze von Parteiorganisationen.

Gib dem Internet die Chance, sich zu entfalten.

Wir reden die ganze Zeit vom World Wide Web als wäre es ein weiterer Medienkanal. Das ist falsch. Das Internet ist die Möglichkeit, Menschen wirklich zu beteiligen. Doch meistens machen wir mehr Öffentlichkeitsarbeit als Beteiligung. Wenn Spitzenpolitiker auf Instagram oder Twitter schreiben dann veröffentlichen sie ihre Meinung, doch leider holen sie nicht Positionen der Bürger ein. Aber genau diese Möglichkeit schafft das Internet.

Was soll der Quatsch mit der Parteilinie.

Ja, Politik funktioniert mit Kompromissen. Aber, wir Menschen sind nicht ein Kompromiss. Ich habe eine persönliche Meinung. Und ich möchte auch zu dieser Position stehen können. Aufrichtigkeit ist wichtig und Ehrlichkeit hört eben nicht auf dann, auf wenn es um Kompromisse geht. Sagt, wie ihr euch entscheidet, und macht dadurch Politik Transparent.

Komplexität ist keine Ausrede, sondern eine Chance.

Jedes Mal wenn eine Organisation ein gutes Argument nach kommt, als Antwort die Realität ist viel komplizierter. Ja, ist sie. Aber kompliziert sein ist keine Ausrede. Wir sollten immer den Bürger nicht unter fordern, sondern tendenziell überfordern. Ich will nicht verarscht werden. Wenn ein Gesetz gut ist, dann finde ich es selber raus. Ich brauch niemand der mir ein Gesetz "Gute Kita Gesetz“ nennt wenn ich selber den Text lesen kann. Dann kann ich sagen, dass es gut ist und nicht meine Regierung muss es mir unter die Nase reiben. 


Zum Schluss: Natürlich läuft es an vielen stellen besser als hier beschrieben, doch lieber reibe ich mich an einem Text mehr als an einem zu wenig. Euch eine schöne Woche im Netz.