"Hier sollte doch Mensch zum Menschen finden"

Gerade in den paar Stunden im Alpenverein, gerade in den paar Wochen im Gebirge sollte doch aller Hader, aller Zwist des sonstigen Lebens ferne sein! Gerade da sollte doch Mensch zum Menschen finden, sollte nur der rein menschliche Standpunkt gelten! Das bitte ich Sie dringendst zu erwägen.

Dr. Josef Metzger (Vorsitzender der Sektion Mainz des DAV von 1922 bis 1933)

Die Zeiten ändern sich. Allen Menschen geht es in Deutschland besser und der Rassismus der Vergangenheit wird immer mehr aufgebrochen. Doch ist er immer noch an vielen Enden und Ecken existent.

Welche Rolle spielt der DAV dabei? Gehen wir mit unserer Verantwortung als Bergsportverband mit einer schwierigen geschichtlichen Vergangenheit gut um? Werden bei uns Gruppen diskriminiert? Leben wir die Vielfalt, die wir uns oft auf die Fahnen schreiben?

Joseph Metzger hat am Anfang des 20. Jahrhunderts die Werte des DAV verteidigt. Er hat auf der Hauptversammlung des DAV dafür plädiert, dass Juden weiterhin Mitglied im DAV werden dürfen. Das war nicht selbstverständlich. Als eine von zwölf Sektionen standen die Sektion Mainz und ihr Vorsitzender für Werte ein und lehnten einen Ausschluss jüdischer Mitglieder ab. Genau für diese Werte steht der DAV heute wieder. Und als JDAV, als Jugendorganisation dieser Sektion, bemühen wir uns, Diskriminierung und Ausgrenzung abzubauen und wenn möglich, zu bekämpfen.

Wir sollten uns Schritt für Schritt auf den Weg machen, nicht der elitäre Teil einer Gesellschaft zu sein, sondern den gesellschaftlichen Durchschnitt abzubilden, indem wir für Mitglieder in allen gesellschaftlichen Gruppen werben. Trotzdem ist es wichtig, dass wir auch unsere Einzigartigkeit bewahren. In diesem Jahr z.B. auf dem Arctic Circle Trail durch Grönland oder mit einer Veranstaltung für Menschen mit und ohne Behinderung. Diese Vielfalt zeichnet die JDAV Mainz aus und steht oft im Spagat mit den Interessen der Gesellschaft. Nicht jede*r kann mit auf jede Tour, aber jede*r darf mitmachen bei uns.

Wir haben Boulderer*innen als auch Kletterer*innen in unseren Reihen und bei Veranstaltungen wie dem Klettermarathon kommen alle zusammen. Eine Gemeinschaft, die sich dadurch hervorhebt, dass wir gemeinsame Werte vertreten. So wie Josef Metzger diese Werte vor fast 100 Jahren vertreten hat. In unserer Zeit, in der Diskriminierung wieder droht „normal“ zu werden, stellen wir uns dieFrage, ob wir als JDAV mehr für diese Werte einstehen müssen, als wir es bisher getan haben.

Ich freue mich, dass wir in den nächsten Wochen die Synagoge in Mainz besuchen können, um genau über diesen Tellerrand zu schauen und uns nicht auf den metaphorischen „Berg“ verkriechen. Genau diese Erinnerungskultur macht die JDAV und den DAV aus und im Jubiläumsjahr 150 Jahre DAV und 100 Jahre JDAV müssen wir uns sowohl an die guten als auch an die schlechten Zeiten erinnern.